Himmelwärts in der Petruskirche Steinen

- 08.03.2025 - 

Lebst Du noch oder wunderst Du Dich schon?

Himmelwärtsgottesdienst in der Petruskirche Steinen
mit Pfr. Ingo Meißner
 
Predigt: Traue Gott Großes zu – er kann!
(Markus 10, 46 - 52: 16, 9 - 15)
 
Video "Kindern mit Playmobil die Bibel erklärt - Bartimäus"
von der kath. Pfarrgemeinde Heilig Geist Hannover
https://youtu.be/g7LWjR96omMd
 
Lieder:
  • EG 665: Wir haben Gottes Spuren festgestellt
  • FJK 28: Gottes Liebe ist so wunderbar (So hoch)
  • FJ2 117: Ich hebe meine Augen auf (Nichts ist unmöglich) CCLI-Nr.: 4330008
  • Wunderbar CCLI-Nr.: 6238483
  • FJ5 83: So bist nur du (Wasser wird Wein, Blinde sehn) CCLI-Nr.: 5906981
  • NL+ 118: Der Herr segne dich, behüte dich CCLI-Nr.: 4690683
CCLi Liedlizenz 5100265

Predigt zu Markus 10, 46-52: 16, 9-15 „Traue Gott Großes zu – er kann!“

Himmelwärtsgottesdienst
(8. März 2025, Pfr. Ingo Meißner, Evangelische Kirche Steinen)
 
Wunderbarer Jesus. Er war einer, der dafür bekannt war, Wunder zu vollbringen.  
Wunder, also Dinge, wo etwas unerwartet Positives passiert. Wo Dinge passieren, die wir uns auch heute noch nicht wirklich erklären können. Und die dann eben „Verwunderung“ und Erstaunen auslöst. 
 
Jesus wirkte viele Wunder, die die Menschen erstaunten. Oder wo sie auch über Jesu Macht erschraken. Oder wo sie ins Lob Gottes kamen. Oder alles zusammen. Und begeistert riefen: „dieser ist wirklich der in den alten Schriften angekündigte Messias aus der Blutlinie von König David, dieser ist wirklich der Sohn Gottes, der Retter der Welt!“ 
 
Eine dieser vielen Wundergeschichten – diesmal ein Heilungswunder – haben wir eben gesehen. Die Geschichte von Bartimäus. Die Erzählung findet sich sowohl im Mätthausevangelium, wie im Lukasevangelium (Mt 20,29-34; Lk 18,35-43). Und Auch bei Markus. 
 
Ich lese die entsprechende Stelle nochmal vor (Mk 10,46-52): 
„Dann kam Jesus nach Jericho. Als er mit seinen Jüngern und einer großen Volksmenge die Stadt verließ, saß ein blinder Bettler am Weg. Es war Bartimäus, der Sohn von Timäus. 
Als er hörte, dass Jesus aus Nazaret da war, fing er an, laut zu rufen: »Jesus, du Sohn Davids! Hab Erbarmen mit mir!« 
Viele fuhren ihn an: »Sei still!« 
Aber der Blinde schrie noch viel lauter: »Sohn Davids! Hab Erbarmen mit mir!« 
Da blieb Jesus stehen und sagte: »Ruft ihn her!« 
Die Leute riefen den Blinden herbei und sagten zu ihm: »Nur Mut! Steh auf, er ruft dich!« 
Da warf der Blinde seinen Mantel ab, sprang auf und kam zu Jesus. 
Jesus fragte ihn: »Was willst du? Was soll ich für dich tun?« 
Der Blinde antwortete: »Rabbuni, dass ich sehen kann!« 
Jesus sagte zu ihm: »Geh nur, dein Glaube hat dich gerettet.« 
Sofort konnte er sehen, und er folgte Jesus auf seinem Weg.“ 
 
Soweit die Geschichte aus der Bibel. 
 
Und ich sage heute: wage wieder mehr Glauben. So wie Bartimäus. Traue Gott Großes zu! Denn: er kann! 
 
Nochmal zurück zur Geschichte. 
Da sitzt dieser arme Tropf Bartimäus am Stadttor in Jericho. Und bettelt die Menschen an. Tag für Tag. Als Blinder kann er zwar nichts sehen, doch kann er umso besser hören. 
Und er bekommt ganz viel mit: den neuesten Klatsch und Tratsch aus Jericho, die Berichte über die römischen Besatzer, die es eigenen Leuten immer wieder schwer machen. Berichte über korrupte Politiker und Wirtschaftslenker. Die gestiegenen Preise für Mieten und Lebensmittel.  
Und – und das ist nun besonders bedeutsam für unsere Geschichte – die Gerüchte über Jesus. Den Mann aus Nazareth, der durchs Land zieht, auf seinen Vater im Himmel hinweist, sich selbst als Messias, den Sohn Gottes bezeichnet. Der Messias aus der direkten Abstammungslinie von König David.  
Der mir großer Liebe und Barmherzigkeit Menschen unterschiedlichster Herkunft annimmt, Gemeinschaft mit ihnen hat. Und zu neuem Leben mit Gott und zu neuer Würde verhilft. 
Ob das wegen der Gerüchte alles so stimmt, kann er nicht genau sagen. Er hat es ja nur gehört. 
Und nun ist dieser Jesus, dieser Wundertäter in Jericho. Es gibt ihn also wirklich! Hoffnung keimt bei Bartimäus auf: kann Jesus auch mich gesund machen? Er geht aufs Ganze. 
Er nimmt seinen ganzen Glauben, seinen ganzen Mut zusammen, und schreit so laut er kann: »Jesus, du Sohn Davids! Hab Erbarmen mit mir!« 
 
Was für ein Glaube, was für ein Vertrauen! Ohne Jesus wirklich zu kennen, nur vom Hörensagen glaubt er daran, dass Jesus auch ihn heilen kann. Er, der Sohn Gottes. Und er schreit seine Bitte heraus. 
 
Ok, gross was zu verlieren hat er ja nicht. Als armer Blinder ist er eh am Ende der sozialen Leiter angekommen. Stolz und Zurückhaltung kann er sich nicht mehr leisten. Und „ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich gänzlich ungeniert“ – wie es in einem Sprichwort heisst. 
 
Und so kann er völlig peinlich und ärgerlich für die Jünger Jesus seine Not, seinen Wunsch herausschreien: »Jesus, du Sohn Davids! Hab Erbarmen mit mir!« 
Jesus holt sich zu sich. Fragt nochmal nach, was er möchte. Um was er genau bittet. 
 
Jesus weiss natürlich, was Sache ist. Aber es ist ihm wichtig es einfach auch nochmal zu hören. 
Das ist übrigens auch ein wichtiger Aspekt heute noch beim Thema Bitten oder dem theologischen Fachausdruck dafür „Gebet“: Jesus weiss schon um alles, was uns bewegt. Er ist der Sohn Gottes, des Vater. Ja, er ist Gott selbst. 
Aber es ist ihm wichtig, dass er auch nochmal von uns selbst hört. Dass wir Jesus dadurch bekennen: dir vertraue ich. Dir vertrau ich, dass du mich siehst und mir so wie es für mich ist, begegnen möchtest. 
Und so bittet Bartimäus voller Vertrauen um Heilung. 
 
Und das Wunder geschieht: er wird geheilt, kann wieder sehen. 
Und dann packt er seine sieben Sachen – oder waren es vielleicht nur sein Mantel und seine Liegematte - und folgt Jesus nach. Geht einfach mit und ist nun einer der vielen weniger bekannten Nachfolger, der Jünger, die Jesus auch nachfolgen. 
 
Wunder sind damals passiert - wie ist es heutzutage? Passieren heute auch noch Wunder? So wie in biblischen Zeiten? 
 
Die Wunder der Bibel sind ja teilweise sehr spektakulär. Unheilbar Kranke werden gesund. Eine Jungfrau bekommt ein Kind. Das Meer teilt sich. Da steht die Sonne still. Da gehen Menschen über das Wasser. Tote stehen auf. Wasser wird zu Wein. Und und und. Die Bibel ist voll davon. 
 
Alles Kraftwirkungen des einen Gottes, um zu zeigen: ich habe die Welt und dich Mensch im Blick. Nicht vergessen. Ich bin Gott. Ich kann Wunder tun. Kein Problem. Ich bin auch Herr über die Naturgesetze. Ich habe sie eingerichtet und kann sie auch wieder aushebeln. Ich kann es wirken, dass Menschen heil werden an Leib, Seele und Geist. 
 
Ist das verstandesmässig alles zu fassen? Nein. Sind Wunder mit naturwissenschaftlichen Methoden auch für Zweifler restlos zu beweisen? Nein.  
 
Erlebe ich es heute noch, dass Tote auferstehen, Blindgeborene sehend werden, Wasser zu Wein wird, Menschen über Wasser laufen, Jungfrauen Kinder gebären? Nein. 
 
Ist das für mich ein Problem? Nein. Wenn Jesus, wenn Gott wunderbare Dinge, spektakuläre Dinge tat, kann ich das gut so annehmen. Weil meinem Gott eben nichts unmöglich ist.  
 
Warum passieren heute nicht mehr Wunder, wie in der damaligen Zeit? Ich weiss es nicht.  
 
Ich denke aber: Wir stehen uns und Gott häufig selbst im Weg, damit Wunder geschehen können. Wie meine ich das? 
 
Da ist erst mal unsere vom Verstand geprägte Welt. Wo wir erst glauben können, wenn man es uns als wahr bewiesen hat. Und man kann sich so es fast abgewöhnen, an göttliche Wunder zu glauben. Wenn man es noch nicht selbst erlebt hat, fällt es schwer, das als wirklich passiert anzusehen.  
 
Für Kinder ist das alles noch einfacher. Die haben keine Mühe an Wunder zu glauben. Kindlich zu glauben. Aber wir Erwachsenen? 
 
Und überhaupt: Wir können doch alles - brauchen wir wunderbares Eingreifen Gottes überhaupt? 
 
Solange wir glauben, dass es wir es selbst noch hinbekommen, brauchen wir Gottes Eingreifen ja gar nicht. Dann bitten wir auch nicht darum. 
 
Weiter: Dass nicht mehr und größere Wunder in unserem Leben wahrnehmbar sind, kann auch daran liegen, dass wir Gott nicht mehr zutrauen, dass er noch wunderbar eingreifen kann. 
 
Erwarten wir von Gott überhaupt noch, dass in unserem Leben, in Ehe, mit Kindern, in Bezug auf unsere Gesundheit, oder die Entwicklungen in unserem Staat oder auch in unserer Kirche, dass er wunderbar eingreifen kann? Dass er Dinge zum Guten wenden kann? Oder haben wir schon aufgegeben? 
 
Oder sind unsere Erwartungen vielleicht zu niedrig? Traue ich ihm deswegen keine echten Wunder mehr zu? Wenn ich gross glaube und es passiert nichts, könnte mein Glaube leiden. Dann glaube ich lieber nicht groß. 
 
Oder hat es mit unseren Erwartungen zu tun, wie Gott wunderbar eingreifen müsste. Und wir sind dann enttäuscht, wenn es nicht so kommt wie wir wollen? Und als Selbstschutz vor Enttäuschungen hören wir auf, Gott großes zuzutrauen? 
 
Und wenn es nicht so kommt, wie wir wollen: Ist der Fehler dann bei Jesus zu suchen? Oder hat es nicht auch etwas mit vielleicht unrealistischen Erwartungen zu tun? Wo wir von Gott ein Wunder erwarten, aber eigentlich erst mal auch unserem Teil zu Veränderung der Situation zu leisten sollten. Bei Krankheit ist es z.B. kein Ausweis von Unglaube, zum Arzt zu gehen. Gott wirkt auch durch Ärzte. Und es ist gut, dass es sie gibt. 
 
Ein interessantes Argument, warum heute vielleicht wenig oder keine spektakulären Wunder mehr geschehen ist so auch bei Jesus zu finden. Nämlich: Wenn unser Glaube aufhört Gott auch Großes, ein Wunder zuzutrauen, dann kann Jesus auch keine - oder nur wenig Wunder tun. Das war schon damals in Nazareth so. Die Menschen damals dachten: das ist doch er Sohn vom Zimmermann. Der ist doch nichts Besonderes. Sie ärgerten sich sogar an ihm. 
 
Und dann heisst es (Markus 6, 5-6): „deshalb konnte er dort auch keine Wunder tun. Er legte nur einigen Kranken die Hände auf und heilte sie. Und Jesus wunderte sich über den Unglauben der Leute dort.“ 
 
Also es gibt einige Gründe, warum es uns auch heute noch schwerfallen kann, Großes von Gott, ein Wunder zu erwarten. UND warum wir dann weniger große Wunder in unserem Umfeld wahrnehmen. 
 
Doch: spektakuläre Wunder geschehen immer wieder. Sind wahrnehmbar. Auch heute noch. Wenn wir sie sehen wollen. 
 
Z.B.: Wenn menschliches Leben entsteht. Ein Kind im Mutterleib heranwächst, geboren wird. Und dann ist es da, das ganz persönliche Familienwunder. Ein Baby. 
Das Kind wächst dann heran und entwickelt sich zu einer Persönlichkeit, es wird etwas „Richtiges“ aus ihm. Manchmal auch trotz unserer Erziehungsbemühungen, und obwohl wir uns so viel Mühe gegeben haben. Ein Wunder! 
 
Überhaupt die Natur, die uns umgibt und von der wir ein Teil sind. Viele Filme haben es irgendwie im Titel oder in der Beschreibung. Die „Wunder der Natur“. Sei es in Pflanzenwelt, der Tierwelt oder geologische Besonderheiten wie Vulkane oder Geysire. 
 
Oder ist es nicht ein Wunder, wenn sich Friede ereignet. Wenn verkrachte Menschen, Völker, Staaten sich wieder versöhnen, auch wenn es menschlich zuvor als unmöglich schien? 
 
Oder wir haben Gottes wunderbaren Schutz einmal erlebt. Oder zumindest davon in den Nachrichten gehört. Von z.B. wunderbar Überlebenden Verschütteten nach einem Erdbeben, die erst nach Tagen oder Wochen gefunden werden. 
 
Oder geistliche Wunder: Menschen, von den man es nicht mehr dachte, kommen in eine Beziehung mit Gott. Habe ich in der eigenen Familie erlebt. 
 
Und ja, Heilungswunder geschehen auch heute noch. Wo Menschen von scheinbar unheilbaren Krankheiten gesund werden. Von Krebs. Von anderen schweren körperlichen Leiden. 
 
Letztens sah ich einen Film. Ein Mensch bekam eine schlimme Fussinfektion. Jahrelang ging er von Arzt zu Arzt. Keiner konnte helfen. Er konnte keine Schuhe mehr anziehen. Nur noch barfuss ging es. Er arrangierte sich dann irgendwie damit. Und war halt als der Spinner bekannt, der eben im Sommer wie Winter barfuss läuft. 
Er kam in Kontakt mit einer christlichen Gemeinde vor Ort. Die auch immer wieder für Heilung bei Menschen konkret beteten. 
Der Mann nahm seinen ganzen Glauben, seine ganze Hoffnung zusammen. Ließ für sich beten. Und er merkte schon während des Gebets, dass sich in seinen Füssen etwas tat. Eine eigenartige Wärme und ein Kribbeln. Und wurde auf einen Schlag gesund. Kann man bei YouTube eine Film drüber schauen. Wer möchte, kann ich den Link dazu geben. Wunder - auch Heilungswunder geschehen immer wieder. 
Oder: Da gibt es Lourdes in Frankreich. Einer der bekanntesten Pilgerorte für Heilungen. Viele Menschen werden dort gesund. Dauerhaft oder auch nur zeitweise. 
Ein Komitee untersucht dann jede dokumentierte Heilung ausführlich, ob es nachhaltig ist, wirklich ein Wunder im Sinn von menschlich unerklärlich und auch nach Jahren dauerhaft ist.  
Und in der Tat gibt es gibt es etliche dauerhafte Heilungswunder, oder auch andere Arten von Wundern, die geschehen, wo Gott gewirkt haben muss. Und man es sich absolut nicht erklären kann.  
 
Habt ihr auch solche Wunder in eurem Leben schon einmal erlebt. Wenn ja: wer möchte davon kurz erzählen? Haben wir das vielleicht ein oder zwei Beispiele? 
 
Also: Wunder geschehen immer wieder.  
Dann wage auch heute wieder mehr Glauben wagen - Gott kann! Traue Gott auch Großes zu! 
 
Kurz vor der Geschichte mit Bartimäus heilte Jesus eine andere Person. Und Jesus sagt dann dort „Alle Dinge sind möglich, dem der glaubt“ (Markus 9, 23)  
 
Bitte wieder neu voller Glauben, voller Vertrauen in Jesu Macht und Stärke mutig für ein Wunder.  
 
Wo du vielleicht schon aufgebeben hast, Großes zu erwarten: 
Eine zerbrochene Beziehung 
Zerbrochene Lebensträume 
Eine gebrochene Gesundheit 
Der Wunsch, dass auch aus deinem Leben doch noch etwas Gutes wird 
Oder desaströse finanzielle Herausforderungen. Oder anderes. 
  
Bitte heute wieder mutig dafür. Oder lass für dich bitten. Nachher gibt verschiedene Möglichkeiten es zu tun. 
 
Aber gib es dann auch wieder an ihn, dass er zu seiner Zeit handelt.  
Und wenn es nicht sofort passiert: bleib dran. Liege Jesus damit in den Ohren. Hör nicht auf! 
 
Wage mehr Glauben - Gott kann! Traue ihm auch Großes zu! 
 
Und lass dich von ihm dann überraschen, wie er wirken wird. 
 
Ich wünsche dir von Herzen einen wunderbaren Abend und eine wunderbare Zukunft mit unserem Herrn Jesus Christus!
 
Amen.