Himmelwärtsgottesdienst in der Petruskirche Steinen
mit Pfr. Ingo Meißner
Predigt: Liebe - für Dich
Unsere Gemeindevision: „Glaube, Liebe, Hoffnung - für dich“
(1. Johannes 4, 7 - 11)
Lieder:
- FJ6 150: Nur durch Christus in mir CCLI-Nr.: 7129715
- FJK 28: Gottes Liebe ist so wunderbar (So hoch)
- FJ6 7: Alles tanzt CCLI-Nr.: 7160095
- FJ1 97: Ich singe dir ein Liebeslied (In deinem liebenden Arm) CCLI-Nr.: 5229527
- FJ6 165: Heilig für immer CCLI-Nr.: 7216966
- FJ6 219: Segen für deinen neuen Weg CCLI-Nr.: 6277592
CCLi Liedlizenz 5100265
Predigt zu 1. Johannes 4, 7 - 11 „Liebe - für dich“ – Gemeindevision Teil 2
Himmelwärtsgottesdienst
(8. November 2025, Pfr. Ingo Meißner, Evangelische Kirche Steinen)
Wir sahen ein Theaterstück. Ein moderner barmherziger Samariter. In Anlehnung an die Geschichte vom barmherzigen Samariter (Lukas 10, 25 - 37) aus der Bibel.
Kurz davor geht es ja um das sogenannte Doppelgebot der Liebe. Also Gott und seinen Nächsten zu lieben.
Und die Frage taucht auf: „wer ist denn eigentlich mein Nächster?“
Jesus erzählt dann die Geschichte zur Verdeutlichung was es heisst, seinen Nächsten zu lieben.
Das Liebeszeichen ist ja heute sehr verbreitet. Das Symbol mit der Hand geformt, sieht man ja bei Fussballspielern, auf Instagram, auf TikTok und auch sonst immer wieder mal im Alltag.
Kurz zur Geschichte von Jesus: Da ist ein Samariter, der seinem religiösen Erzrivalen hilft. Weil er Hilfe einfach nötig hat. Die Samariter und die Juden glaubten zwar an den selben Gott. Doch hatten sie immer Stress miteinander und dachten in der Regel schlecht übereinander.
Und so einer hilft nun dem anderen. Während die Glaubensgeschwister des Verletzten aus verschiedenen Gründen vorüber gehen.
Der Nächste nach Jesu Darstellung ist also: der Nachbar, Kollege, Vereinskamerad, Sportfreund, die eigene Familie, Verwandtschaft, ja sogar wildfremde Menschen in unserem Umfeld. Ob wir sie jetzt mögen oder auch nicht. Dem nächsten sollen wir liebevoll begegnen.
Was diese gelebte Liebe alles sein kann, wird hoffentlich im Laufe des Abends noch deutlicher. Und wir gehen dann hoffentlich aus dem Gottesdienst mit konkreten Ideen und mehr Klarheit.
Wir sind ja in der Serie, wo wir den drei Aspekten unserer Gemeindevision nachgehen.
Im letzten Himmelwärts ging es ja um das Thema Glaube.
Und wir sagten: „Glauben heißt Vertrauen: Gott ist da, hilft und trägt dich. Wer glaubt, ist nicht allein.
Wir bleiben am Glauben dran, indem wir einander darin unterstützen. Mit ganzem Herzen, klaren Worten und helfenden Händen teilen wir unseren Glauben.“
Es geht um das „Gemeinsam glauben.“ Gemeinschaft ist also ganz wichtig. Solochristsein ist weder im Sinn Gottes, noch hilft es in den Stürmen des Lebens, dass man alles mit sich selbst und Gott ausmacht.
Die Gemeinschaft der Gläubigen spielt hier eine zentrale Rolle, wenn wir uns umeinander kümmern, einander helfen. Auch in diesen schwierigen Zeiten, wenn uns der Glaube verloren zu gehen droht.
Heute geht es nun um den zweiten Teil unserer Gemeindevision zum Thema „Liebe“ Wir sagen dort:
„Gott liebt dich ohne Wenn und Aber. Du bist in seinen Augen sehr wertvoll.
Jesus, Gottes Sohn, zeigt uns, was Liebe heißt. Wir folgen ihm nach und geben seine Liebe an andere weiter.“
Die Kernaussage für heute lautet wie folgt:
Weil Gott dich liebt, dir seine Liebe in Jesus Christus zeigt und dich immer wieder neu mit seiner Liebe füllt, kannst du auch liebevoll anderen begegnen und seine Liebe weiter geben.
Dies nicht nur an Freunde und liebe Menschen, sondern an alle.
Wie ist das nun mit der Liebe?
Liebe ist zunächst einmal ein Geschenk Gottes an die Menschen. Diese gilt für Christen wie Nichtchristen.
Wenn Liebe geübt wird, ist Gott am Wirken. Unabhängig, ob Menschen Gott dahinter vermuten oder auch mit ihm nichts zu tun haben wollen.
Wir Menschen können nur lieben, weil Gott in alle Menschen Liebesfähigkeit hineingelegt hat.
Die Menschen sind ja nach seinem Ebenbild geschaffen. Ein Ebenbild des liebenden Gottes. Der uns seine Liebe immer wieder neu zeigt und ins Herz geben möchte.
Alle Geschöpfe sind also grundsätzlich liebesfähig - und liebenswürdig. Zumindest in den Augen Gottes!
Wie können wir dann Unterschiede machen im Sinn von: „der ist liebenswürdig, der aber nicht“?
Das spezifisch Christlich ist nun nicht die allgemeine Liebesfähigkeit. Das können im Grundsatz alle Menschen. Das Spezielle ist die Liebe auch denen gegenüber, bei denen die „Chemie nicht stimmt“.
Bei manchen braucht es dann zugegebener weise etwas mehr Zeit, um ihre nette Art zu erkennen. Aber wenn wir auf die Suche gehen und versuchen andere mit den Augen den Gottes zu sehen, dann fällt es uns leichter in jedem Menschen etwas Liebenswertes zu entdecken. Und dann auch liebevoller und barmherziger mit dem anderen umzugehen.
Schauen wir uns nun mal genauer einen Text aus der Bibel an. Johannes schreibt in seinen Briefen an die christliche Gemeinde ganz viel von dieser göttlichen Liebe in uns.
Die Johannesbriefe reden dabei in die Gemeinde hinein und spitzen das Thema Liebe auf den Umgang miteinander in der Gemeinde zu. Das heisst nicht, dass wir uns nicht auch liebevoll Nichtchristen zuwenden sollen. Doch anscheinend war es Johannes wichtig, dass er der Gemeinde ins Stammbuch schreibt, erst mal untereinander anzufangen. Was anscheinend schwer genug war…
Wir hören einen Text aus 1 Johannes 4,7-11:
Ihr Lieben, wir wollen einander lieben. Denn die Liebe kommt von Gott. Und wer liebt, hat Gott zum Vater und kennt ihn. Wer nicht liebt, kennt Gott nicht. Denn Gott ist Liebe.
So ist Gottes Liebe bei uns sichtbar geworden: Gott sandte seinen einzigen Sohn in die Welt, damit wir durch ihn das wahre Leben bekommen.
Die Liebe besteht nicht darin, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat. Er hat seinen Sohn gesandt. Der hat unsere Schuld auf sich genommen und uns so mit Gott versöhnt.
Ihr Lieben, wenn Gott uns so sehr geliebt hat, dann müssen auch wir einander lieben.
Und wieder einige Verse später nochmals bekräftigend (19-21):
Wir lieben, weil er uns zuerst geliebt hat.
Wer behauptet: »Ich liebe Gott!«, aber seinen Bruder und seine Schwester hasst, ist ein Lügner.
Denn wer seine Geschwister nicht liebt, die er sieht, kann Gott nicht lieben, den er nicht sieht.
Dieses Gebot hat uns Gott gegeben: Wer ihn liebt, soll auch seine Geschwister lieben.
Liebe fängt also bei Gott an und will dann in unsere Herzen fliessen und sich dort immer mehr ausbreiten. Und dann auch nach aussen sichtbar werden. Gott will unseren Liebesspeicher immer wieder neu mit seiner Liebe anfüllen, wenn wir es zulassen. Ihn in uns und an unserem Herzen wirken lassen.
Wir jedoch finden häufig viele Gründe, warum wir nicht stärker Liebe anderen durch unsere Worte und Taten zeigen können, die „Liebe weitergeben“. Wir merken immer wieder: diese bedingungslose Liebe kostet auch durchaus etwas. Das geht uns nicht immer leicht von der Hand.
Und mir merken auch: aus mir heraus kann ich es nicht. Es gelingt nur durch Christus und seiner Liebe in mir. So ähnlich wie wir es vorhin gesungen haben. Nur durch Christus in mir.
Lasst und einmal ein paar der Gründe anschauen, was uns so zu schaffen machen kann:
Da ist zuerst die Zeit. „Ich habe keine Zeit“ könnte ein Argument lauten. Vielleicht war das auch ein Punkt, weswegen im der Geschichte vom barmherzigen Samariter andere am verletzten vorbeiliefen. Keine Zeit. Ja, wir sind häufig sehr gehetzt, weil in unserem Leben so viel los ist: Familie, Arbeit, Schule, Ausbildung, Sportverein, „Me-Time“, „Freizeitstress“, auch Gemeindemitarbeit. Da passt das um andere kümmern in unserem Alltag häufig nicht auch noch rein.
Doch: jeder hat 24h und kann ständig Entscheidungen treffen dies oder das zu tun. Oder auch nicht.
Und wenn wir meinen, keine Zeit zu haben. Dann könnte ein Gebet helfen. Z.B. so: „Herr, lass mich meine Zeit weise gebrauchen!“
Ein anderer Hinderungsgrund könnte unsere begrenzte Kraft und Energie sein. Wir haben dann vielleicht keine oder nur wenig Kraft für den Liebesdienst.
Und ja, unsere Kraft ist begrenzt. Keiner kann alleine „die Welt retten“. Die Not ist zu gross, die Probleme sind zu komplex, als dass man mit einfachen Antworten schnell zu Lösungen kommt.
Doch wenn jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten anderen liebevoll, helfend begegnet, dann ist vielen geholfen
Wenn wir uns begrenzte Kraft wahrnehmen, könnten wir z.B. so beten: „Herr, gib du mir die Kraft für diesen Vormittag, diesen Tag.“
Oder noch ein Hinderungsgrund. „Ich habe kein Geld übrig, um anderen zu helfen.“
Ja, in der Regel haben alle nur begrenzte finanzielle Mittel. Manche verdienen mehr als andere. Doch am Ende des Monats ist meist das Geld ausgegeben, weil man seine Ausgaben seinen Einnahmen anpasst.
Für was gibst du dein Geld so alles aus? Was ist Luxus, was lebensnotwendig?
Doch erlaube ich mir die Frage: dürfen Ausgaben ins Reich Gottes - sei es die eigene Gemeinde, oder andere gute Organisationen, oder auch direkte finanzielle Hilfe anderen gegenüber - überhaupt in deinem Leben eine Rolle spielen?
Oder kommt „das Gute mit Geld tun“ erst ganz am Ende des Monats, wenn noch was übrig ist? Da wird in meist nichts übrig sein. Das ist die Realität. Wenn man es nicht von Anfang an einplant, wird es in der Regel nicht klappen. Eine Idee, dem zu begegnen wäre: einen Spenden-Dauerauftrag einrichten.
Und wenn ich Mühe habe mit dem Geben, dann könntest du z.B. so beten: „Herr, schenke du mir die Freiheit gerne zu geben. Und überrasche mich dann damit, dass es mir am Ende nicht fehlt!“
Ein weiterer Hinderungsgrund anderen zu helfen kann sein, dass der oder diejenige mich verletzt haben. Wie auch immer. Und dann kann und will ich nicht helfen.
Ja, Verletzungen finden Immer wieder statt. Leider. Manche verletzten uns unbewusst. Wissen gar nicht, was sie durch ihr Reden und Verhalten so bei uns anrichten.
Andere tun es mutwillig, wenn sie mich mobben, mich schneiden, schlecht über mich reden. Und manchmal das auch noch in meiner Gegenwart, um mich bewusst runterzumachen, um dann vor den Kollegen selber besser dazustehen.
Das kommt in der Schule und bei Kindern / Jugendlichen insgesamt eher vor, als bei Erwachsenen. Doch auch bei Erwachsene kommt sowas vor.
Doch: will ich es zulassen, dass andere über mein Leben bestimmen und sagen, was ich bin oder auch nicht bin, oder will ich positive Bestätigung bei Gott suchen?
Ihn in meinem Herzen wirken lassen, seine Liebe zu mir Immer wieder neu annehmen, mich davon begeistern lassen? Er hält mich für liebenswert. Wenn wir das immer mehr begreifen, dann prallen die verletzenden Kommentare und Taten anderer immer mehr an uns ab.
Und wir können beten: „Herr, gib du mit die Kraft mit Verletzungen anderer besser fertig werden zu lassen.“
Vielleicht ist es auch einfach so, dass ich die andere Person nicht mag. Ja, die Chemie stimmt einfach nicht mit allen Menschen. Und negative Gefühle können wir häufig nicht kontrollieren, weil es unterbewusst abläuft. Doch auch dabei müssen wir nicht stehen bleiben. Negative Gefühle kommen vor.
Wenn mit dessen bewusst bin, habe ich immer die Wahl wie es nun weitergeht: ihnen nachgeben und sagen: „ich kann ja nicht alle Menschen lieben. Bei manchen geht es halt einfach nicht.“ Und dann bemühe ich mich gar nicht erst um eine Änderung meiner Einstellung.
Schublade auf, Person rein, Schublade zu. Abschliessen, Schlüssel wegschmeissen und dann der Person in Zukunft einfach aus dem Weg gehen. Die Strassenseite wechseln. Blickkontakte zu vermeiden. Wegsehen, wenn ich den Eindruck habe, die Person könnte mich ansehen. Usw.
Oder ich kann mich dazu entscheiden, es wünschen, dass ich auch der anderen Person positiv oder sogar liebevoll gegenüber begegnen kann. Ich gerne Schritte auf sie zugehen möchte, aber nicht weiss wie.
Dann kannst du Gott auch darum bitten: „Herr schenke mit einfach immer wieder neu deine Liebe - auch für andere Menschen.“
Und vielleicht kannst du anderen auch nicht helfen, weil du nicht weisst wie genau.
Ja, auch das kommt vor. Doch dann hilft häufig fragen. Mit den Menschen in Kontakt kommen, sich mit ihnen zu unterhalten. Dann werden früher oder später in der Regel schon Ideen deutlich. Ob ich das dann machen möchte, ist wieder eine innere Entscheidung. Und wenn ich immer noch keine Ideen habe?
Dann können wir beten: „Herr, schenke du mir Erkenntnis, Weisheit und Kreativität, wie dem anderem liebevoll, hilfreich begegnen kann!“
Abschließend nun: Was können wir konkret tun, um anderen die Liebe Gottes durch unser Reden und Handeln zu zeigen? Was für Ideen gibt es da bei euch?
(Gespräch in Kleingruppen, dort Ideen sammeln)
Später dann kann jeder nach vorne kommen, seine Ideen aufschreiben und am Herz anheften, oder sich auch beim Lesen der Ideen, Ideen geben lassen, was alles so möglich ist. Und sich dann EINE Sache vornehmen, die ich dann heute, morgen oder übermorgen (nicht erst irgendwann später…) umsetzen möchte.
Aber dies alles „Nur durch Christus in mir“. Nicht aus eigener Kraft. Mit der Liebe, die Gott in unsere Herzen ausgegossen hat.
Amen.